Einsatz von GPS-Geräten (Garmin)

GPS-gestützte Navigationsgeräte sind bei vielen Outdooraktivitäten nicht mehr wegzudenken. Sie bieten Komfort bei der Navigation, aber auch einen erheblichen Gewinn für die Sicherheit. Im Nebel oder White-Out kommt man damit immer noch ganz gut vorwärts - man muss aber trotzdem mit dem Gelände vertraut sein und den Umgang mit dem Gerät sicher beherrschen.

Ziele der Ausbildung sind die Vermittlung

  • der Grundlagen zur Navigation,
  • der Einsatz von OSM-Daten (Karten) und
  • die Anpassung der Benutzereinstellungen am Gerät.

Ein eigenes oder geliehenes GPS-Gerät (Garmin) muss vorhanden sein, ebenso ein transportabler Computer (MacOS, Windows, Linux).

Dauer: 3 x 3 Stunden


Kaufberatung GPS-Geräte/Navis

Für die ersten Versuche kann man sich ein Gerät bei der Materialausleihe des DAV Sektion Berlin ausleihen. Bei einer Kaufentscheidung für ein eigenes Gerät sollten folgende Punkte bedacht werden:

  • Erkennbarkeit Grafik im Display: Am besten draußen bei Sonnenschein überprüfen und entscheiden.
  • Größe des Displays
  • Bedienung mit Tasten/Touchscreen: Für den Gebrauch im Winter mit Handschuhen sind ausschließlich Geräte mit Tasten geeignet.
  • Robustheit
  • Verbreitung von Karten, Kartendarstellung: Die meisten Karten gibt es im Garmin-Format.
  • Energiequellen, Energieverbrauch: Batterien oder Akkus sollten handelsüblich und unterwegs austauschbar sein. Beachte: Integrierte Akkus können nicht gewechselt werden und können meist nur bei Temperaturen über 0°C geladen werden!
  • Größe, Gewicht
  • PC-Schnittstelle
  • Speicherkarte: Ein Steckplatz für eine elektronische Speicherkarte ermöglicht ausreichen internen Speicher frei zu halten und bietet mehr Flexibilität, Landkarten und Daten können damit problemlos unterwegs getauscht werden.
  • Funktionen: Für Wandern und Touren meist ausreichend, einige Geräte verfügen über spezielle Funktionen, z.B. für Training oder Radfahren.

Trotz aller Schwächen in der Software ist Garmin der Platzhirsch im Markt der Outdoor-Geräte. Mit den Geräten der GPSmap- und Oregon-Serien bleiben wenig Wünsche offen, trotz Weiterentwicklungen ist die Nutzungsdauer erheblich länger als bei einem Smartphone. Wer sich ernsthaft mit den Geräten beschäftigt um es sicherheitsrelevant einzusetzen kommt um die Planungsarbeit am Computer nicht herum und muss sich intensiver darin einarbeiten. Wem es reicht, nur den eigenen Standort auf einer mehr oder weniger geeigneten Karte im Display zu erkennen, bleibt die Heimarbeit am Computer erspart.


Inbetriebnahme eines neuen Geräts

Hat man ein neues Gerät erworben, möchte man es natürlich möglichst schnell draußen benutzen. Damit das problemlos klappt, sollten einige Vorbereitungen getroffen werden, die nachfolgend beschrieben sind.  Die Bezeichnungen der Menüpunkte stammen vom GPSmap 66s, bei anderen Geräten sind die Bezeichnungen möglicherweise anders oder gar nicht vorhanden.

 

1. Gleichzeitig mit dem Gerät sollte noch einige Hardware diazugekauft werden:

  • kristallklare, harte Displayschutzfolie - ebenfalls erhältliche weiche Folie verschlechtert meiner Meinung nach die Erkennbarkeit des Displays
  • benötigte Halterungen für Fahrrad und/oder Rucksack
  • Silikonhülle oder kleine Schutztasche zum Transport
  • geeignete Akkus: an meinem neuen GPSmap 66s funktionieren die bereits vorhandenen NiMH-Akkus nicht; ich muss entweder Alkali-Batterien oder den originalen Akkusatz von Garmin verwenden
  • SD-Speicherkarte, ich habe eine mit 32 GB

2. Als GPS-Neuling bedenken:

  • in der Ruhe liegt die Kraft, das Geräte braucht gerade für eine Ortsbestimmung nach längerer Nichtbenutzung relativ viel Zeit zur Erfassung der Position
  • für freie Sicht zum Himmel sorgen: in Gebäuden oder engen Gassen gibt es womöglich Probleme mit der Satelliten-Kommunikation 
  • Ihr werdet womöglich irgendwelche Fehler oder Ungereimtheiten finden, im Moment liefert mein neues GPSmap 66s z.B. eine um ca. 100 m falsche Höhenangabe

3. Das Gerät einschalten (endlich!) und einige Konfigurationen vornehmen (es sind immer die Wege vom Hauptmenü aus beschrieben). Wenn man an der richtigen Stelle das Kontext-Menü mit "Menu" aktiviert, geht es für einige Einstellungen schneller:

  • Einheiten und Positionsformate einstellen
    • Einrichten -> Einheiten (die gewünschten Einheiten auswählen)
    • Einrichten -> Positionsformat (Positionsformat auswählen wie gewünscht, Kartenbezugssystem und Kartensphäroid sind jeweils "WGS84"
  • Routing so voreinstellen, dass Verkehrsmittel und Berechnungsverfahren bei jedem Routing neu gewählt werden können
    • Einrichten -> Routing -> Aktivität ("Auswahl")
    • Einrichten -> Routing -> Berechnungsmethode ("Auswahl")
  • nach Art der vorläufigen Nutzung Beleuchtungsdauer und Energiesparmodus einstellen
    • Einrichten -> Anzeige -> Display-Beleuchtung ("bleibt an")
    • Einrichten -> Anzeige -> Energiesparmodus ("aus")
  • geräteabhängig: Track aufzeichnen und jeden Tag einen neuen Track beginnen
    • Einrichten -> Aufzeichnung -> Auto-Start ("Ein")
    • Einrichten -> Aufzeichnung -> Erweiterte Einstellungen -> Automatisch speichern (täglich)
    • Einrichten -> Aufzeichnung -> Erweiterte Einstellungen -> Ausgabeformat ("FIT und GPX")
  • automatisches Zoomen abschalten
    • Einrichten -> Karte -> Erweiterte Einstellungen -> Auto-Zoom ("Aus")
  • unterschiedliche Karten ausprobieren (müssen aber schon im Gerät oder auf der SD-Karte sein)
    • Einrichten -> Karte -> Karte konfigurieren (gewünschte Karte aktivieren oder deaktivieren)
  • je nach Gerät und Art der Nutzung: WLAN (für Download von Luftbildern Birdseye) und Bluetooth (zur Anzeige von Handy-Meldungen) einrichten
    • Einrichten -> WLAN
    • Einrichten -> Bluetooth
  • Stand der Firmware überprüfen und ggfs. mit PC updaten
    • Einrichten -> Info

4. Geräte an PC anschließen

  • Begrüßungstext individualisieren, z.B. mit Telefonnummer und Name - die schreibt man in die einzige .txt.Datei im Hauptverzeichnis des Geräts
  • Karten-Dateien ins Gerät oder auf die SD-Karte kopieren: die .img-Endung muss bleiben, der Name davor darf inzwischen frei vergeben werden; danach die unterschiedlichen Karten-Dateien einzeln im Navi-Betrieb auf Erkennbarkeit und Routingfähigkeit prüfen
  • wichtige Wegpunkte für den ersten Spaziergang am PC mit BaseCamp erstellen und ins Gerät übertragen
  • andere als das mitgelieferte Kabel ausprobieren: es gibt Kabel, die haben dieselben Stecker, liefern aber nicht alle Funktionen. Zuhause kann in aller Ruhe ausprobiert werden, ob z.B. Kamera, Taschenlampe und Navi alle mit demselben Kabel alle Funktionen erfüllen

5. Während der Verwendungen

  • Kapazität der Akkus beobachten und ungeeignete Akkus aussortieren, damit die im Urlaub keine Probleme machen
  • es sind nicht alle Karten routingfähig; legt man darauf Wert, muss eine Karten-Datei mit dieser Funktion im Gerät oder auf der SD-Karte vorhanden sein und aktiviert sein

Fragen zu speziellen Themen

Haben die Navis eine Sprachausgabe ?

Es gibt tatsächlich einige Geräte, die mit einem Smartphone oder einem externen Lautsprecher/Kopfhörer gesprochene Abbiegehinweise liefern können. Wenn, dann funktioniert das überhaupt nur beim Routen, also NICHT beim Verfolgen von Tracks. Infrage kommen dafür einige Geräte der Edge und der Montana-Serie:

https://www.navigation-professionell.de/garmin-montana-einstellungen-setup-konfiguration/

https://gpsradler.de/ratgeber/sprachansage-garmin-edge/

Vor einem Kauf bitte unbedingt überprüfen, ob das für das ausgesuchte Gerät auch tatsächlich so funktioniert!

Was kann ich mit den Apps fürs Navi auf dem Smartphone anfangen ?

(Nur neuere Navis besitzen Bluetooth, mit dem eine Verbindung zum Smartphone hergestellt werden kann)

Für meinen Geschmack leider nicht so viel, ich kann damit ein BaseCamp auf einem Rechner nicht vollständig ersetzen. Was aber geht: Anzeigen von Mitteilungen des Smartphones auf dem Navi; Verschieben von Tracks, Routen, Wegpunkten  vom Smartphone/Cloud ins Navi und zurück. Was nicht geht: Karten-Dateien vom Smartphone/Cloud ins Navi übertragen.

Gibt es auch Apps fürs Navi?

Ja, z.B. komoot und wikiloc. Ob die euch helfen könnt ihr selber ausprobieren, mir fehlen sie nicht.

Wie genau ist ein Navi?

Bei meinem neuen GPSMAP 66s sind es selbst im Wald meistens so 3-6 Meter GPS-Genauigkeit. Ältere oder einfachere Geräte sind eher ungenauer oder es dauert länger bis die Endgenauigkeit erreicht ist. Gelegentlich gibt es aber für mich unerklärliche Abweichungen zwischen GPS-Messung und der Karte von bis zu 20 m.

Verschiedene Einstellungen zu den Satellitensystemen und den Korrekturen haben bei mir keine systematischen Unterschiede hervorgebracht.

Und wie genau ist die Höhenmessung?

Erst einmal braucht die Höhenmessung per GPS einige Zeit, am besten 10 Minuten vor dem Start der Tour einschalten. Wenn man es blöd eingestellt hat, kann es vorkommen, dass die GPS-Höhenangabe fehlerhaft ist und z.B. konstant bleibt, obwohl man beim Aufstieg ist. Vergleiche ich bei einer Radtour an der Spree die Höhenangaben vom GPS mit der wahren Höhe weicht die Anzeige zufällig schwankend mit so 10-15 hm Abweichung, die barometrische Höhe bleibt u.U. konstant. Tipp: wen es interessiert, der kann sich in die Datenfelder die barometrische und die GPS-Höhe nebeneinander anzeigen lassen und schauen, ob die Genauigkeit ausreicht.

Eigentlich soll das Gerät nicht rumpiepsen - nur dann, wenn ich vom geplanten Weg abweiche

Das geht mit Tracks schon mal nicht, sondern nur mit Routen. Dazu muss die verwendete digitale Karte zwingend ein routingfähiges Wegenetz besitzen. Der gewünschte Weg muss dann als Route mit meist vielen Wegpunkten hinterlegt werden. Dann muss man - am besten erst ein neues Profil anlegen - die Toneinstellungen so ändern, dass nur bei einer Routen-Neuberechnung ein Pieps kommt. Die Einstellungen hängen dann wiederum vom Gerät und der Firmware-Version ab.

Wozu überhaupt ein Navi nehmen - es gibt doch Apps?

Nach meiner persönlichen Meinung ist manchmal eine App optimal und manchmal das Navi. Letzteres kann für einige Fälle Vorteile haben - leider nicht jedes Modell:

  1. robustes, wasserdichtes Gehäuse
  2. wegen der Tasten auch bei Nässe oder mit Handschuhen bedienbar
  3. Akkus können unterwegs getauscht werden (unterhalb von 0°C ist ein Aufladen sehr riskant!)
  4. Display bei Sonnenschein besser zu erkennen

Dann funktioniert das navi also immer?

Nö, es kann schon mal vorkommen, dass es bei NATO-Manövern in der Nähe nicht klappt:

https://winfuture.de/news,66007.html

https://www.aero.de/news-30308/Piloten-melden-Stoersignale-in-Nordnorwegen.html


Links zu GPS und Navis

Kritische Auseinandersetzung mit GPS:

https://www.brandeins.de/archiv/2016/intuition/orientierungssinn-vs-gps-das-ziel-ist-der-weg/

 

Zwei Artikel über eine lebensrettene GPS-Benutzung und Koordinatenkenntnis in einem Notfall:

http://www.20min.ch/panorama/news/story/Mann-nach-5-Tagen-in-Kluft-dank-SMS-gerettet-30684290

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/bergsteiger-in-oesterreich-nach-vier-tagen-gerettet-15284882.html

 

Die eine oder andere Ergänzung bzw. Alternative zu Garmin BaseCamp:

Visualisieren von Tracks: http://www.gpsvisualizer.com

 QMapShack: https://bitbucket.org/maproom/qmapshack/wiki/Home

 JGPSTrackEdit: https://sourceforge.net/p/jgpstrackedit/wiki/Home/

 

Einstellungen für etrex:  http://www.navigation-professionell.de/einstellungen-setup-garmin-etrex-30-etrex-20/ 

Einstellungen für andere Geräte sind auf derselben Homepage zu finden. 

 

Ausdruck von OSM-Karten:

http://fieldpapers.org

http://milvusmap.eu/pdf_map.html

 

Linksammlung von Programmen, die OSM-Karten verwenden:

http://wiki.openstreetmap.org/wiki/List_of_OSM_based_Services

 

Umrechnung von Koordinaten:

http://www.deine-berge.de/Rechner/Koordinaten/Berlin,-Deutschland

 

Infos zu GPS allgemein:

http://www.ernst-bratz.de/gps/faq1.html#lit

 

Infos zu UTM:

http://vermessung.bayern.de/file/pdf/1910/UTMAbbildungundKoordinaten.pdf

 

Download älterer Programmversionen von Garmin-Programmen (leider nicht mehr gültig und ich habe noch keine neue Adresse gefunden):

http://www.gawisp.com/perry/macintosh/